Gleisplan Güterbahnhof Neu-Isenburg, Zustand 1909
Hinweis: Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird bei allen Gleisen die zuletzt gültige Bezeichnung verwendet.
Den Zustand der Güterstation sechs Jahre nach Eröffnung der Verbindungsbahn dokumentiert der Gleisplan von 1909. Auf Höhe des Straßenübergangs Roonstraße (später Hugenottenallee) zweigt der Gleisanschluss der Holzhandlung Krebs nach Süden ab, bevor sich die Stammstrecke über mehrere Linksweichen in eine vierfache Gleisharfe verzweigt. Das nördlichste Gleis verläuft entlang der Ladestraße bis es vor dem Stationsgebäude mit Güterschuppen endet, die übrigen reichen weiter bis zur Frankfurter Straße, wo sich eine Kopf- und Verladerampe befindet. Mehrere Weichenverbindungen erlauben ein umsetzten der Lok und rangieren der Waggons. Ein geplantes fünftes Gleis im Süden wurde nicht mehr gebaut.
Gleisplan Güterbahnhof Neu-Isenburg, Zustand 1915
Wiederum sechs Jahre später zeigt sich das Gleisbild fast unverändert, lediglich ein weiterer Privatgleisanschluss ist hinzugekommen. Dieser wird unter dem Namen "Dr. Ad. Barth und Karl Barth" geführt und später von der Firma Dr. C. Schleussner bzw. ADOX übernommen. Im Plan sind darüber hinaus die für 30t ausgelegte Gleiswaage, die Zwischenladebühne am Güterschuppen und der Verladekran eingezeichnet.
Gleisplan Güterbahnhof Neu-Isenburg, Zustand 1921
1921 siedelt sich die zwei Jahre zuvor gegründete Monopolverwaltung für Branntwein südlich der Riedstraße (später Schleussnerstraße) mit einer Verwertungsstelle in Neu-Isenburg an, was eine erneute Erweiterung der Gleisanlagen zur Folge hat. Der Abtransport des dort produzierten Alkohols erfolgt durch Kesselwagen, die mittels zweier neu errichteten Waggon-Drehscheiben auf eines der drei in das Werksgelände führenden Gleise gebracht werden. Die im Volksmund schnell "Monopol" getaufte Verwertungsstelle wird bis 2003 der am längsten durchgehend bediente Anschließer in Neu-Isenburg sein.
Gleisplan Güterbahnhof Neu-Isenburg, Zustand 1951
Nach dem zweiten Weltkrieg zeigt sich das Gleisfeld erneut stark verändert. Es ist aber davon auszugehen, dass die Umbauten hierfür bereits vor 1938 stattfanden. So wurden die Zu- und Abholgleise der Monopolverwaltung aus der Gleisharfe entflochten und fortan über ein eigenes, weiter im Westen aus der Stammstecke abzweigendes Gleis angebunden. Hierfür wird der Platz des mittlerweile aufgegebenen Privatanschluss der Firma Krebs genutzt. Außerdem führt das Gleis 102 im Osten nun über die Frankfurter Straße hinaus zu einem weiteren Firmenanschluss und nördlich der Ladestraße gibt es in direkter Verlängerung der Verbindungsbahn ein neues Abstellgleis (105).
Um die anfallenden Rangierarbeiten besser zu bewältigen wird zudem das im westlichen Gleisvorfeld gebaute mechanische Stellwerks Rs in Betrieb genommen. Von hieraus können sowohl die Gleisperren und Weichen der Gleisharfe als auch die beiden neu errichteten Schrankenanlagen an den Übergängen Herrmannstraße und Hugenottenallee bedient werden.
Weitere Veränderungen gibt es bei den Gleisen 102 und 103, die nun über Rechtsweichen aus dem Stammgleis abzweigen, was zu einer deutlichen Vergrößerung der Nutzlänge dieser Gleise führt. Die Weichenverbindung zwischen den Gleisen 101 und 104 wird entfernt, letzteres außerdem für eine Erweiterung des Güterschuppens um etwa 20m gekürzt und die Gleiswaage - im Plan allerdings nicht verzeichnet - um etwa 50m nach Westen versetzt. Zwischen Gleis 102 und 103 wird eine weitere Weichenverbindung hinzugefügt.
Gleisplan Güterbahnhof Neu-Isenburg, Zustand 1961
10 Jahre später zeigt sich der Gleispan weitestgehend unverändert, lediglich das Anschlussgleis östlich der Frankfurter Straße wurde wieder zurückgebaut.
Gleisplan Güterbahnhof Neu-Isenburg, Zustand 1975
Auf einem Plan mit dem Stand von 1975 ist mittlerweile die Verladestelle des Culemeyer Straßenrollers eingezeichnet, der es erlaubt Firmen ohne eigenen Gleisanschluss mit Waggons zu bedienen. Dagegen hat des Stellwerk die Möglichkeit zur Fernbedienung fast aller Weichen verloren.
Gleisplan Güterbahnhof Neu-Isenburg, Zustand 1987
In den 80er Jahren kommt es durch Um- und Rückbauten immer wieder zu kleineren Veränderungen im Gleisplan. So werden 1981 die beiden 8m Drehscheiben der BfB-Verwertungsstelle durch größere Modelle mit 10 bzw. 12 Metern Durchmesser ersetzt. Wegen des größeren Platzbedarfs der östlichen Drehscheibe wird die Weiche 411 des mittlerweile von der Firma Bleier & Voss Chemie übernommenen, aber ungenutzten Anschlusses ausgebaut.
Etwa zur gleichen Zeit verliert die Weiche 408 als letzte Ihre Fernbedienbarkeit und wird um einige Meter nach Osten versetzt. Da durch diese Maßnahme, deren Zweck dem Verfasser unbekannt ist, nun Rechts der Weiche 409 kein ausreichender Platz für Stellhebel und Weichenlaterne bleibt werden diese auf die Linke Seite versetzt, wofür eigens eine etwa 2x1 Meter große Aussparung in der Ladestraße geschaffen wird.
Später führt der Rückgang im Stückgutverkehr zu einem schrittweisen Rückbau der bis dahin umfangreichen und nun nicht mehr benötigten Gleisanlagen. So kommt es 1985/86 im Rahmen der Verlegung der L 3117 zu einer Umgestaltung der nahegelegenen Kreuzung von Frankfurter und Carl-Ulrich-Straße. Um den benötigten Platz für den Bau einer Rechtsabbiegerspur zu gewinnen wird die Verladerampe abgetragen und das Gleis 101 um etwa 50 Meter gekürzt sowie erst die östliche Weichenverbindung zum Gleis 102 (Weichen 418/420), später auch die mittlere (Weichen 413/414) ausgebaut.
Wiederum einige Jahre später fällt dem allgemeinen Rückbau Gleis 105 mitsamt der Weiche 403 zum Opfer. Nur zwischen der Straßenrollerverladestelle, wo es einbetoniert ist, und dem Prellbock bleibt es liegen, da hier ein Ausbau zu aufwändig gewesen wäre.
Zustand 2012
Mittlerweile sind die Gleisanlagen zum größten Teil abgebaut, lediglich entlang der Carl-Ulrich-Straße liegt noch das Streckengleis der Verbindungsbahn, die Trasse wird für die geplante Regional-Tangente-West von der Stadt Neu-Isenburg freigehalten. Von den vielen Aus- und Umbauten zeugen heute noch die verschiedenen Walzzeichen, nicht weniger als fast 30 verschiedene lassen sich auf dem etwa 700 Meter langen Schienenstrang finden. Das älteste Walzzeichen stammt dabei von 1926, das jüngste 1974: