Die BfB Verwertungsstelle

An der Südseite der Schleussnerstraße gelegen, prägt der rote Ziegelbau der Verwertungsstelle seit den zwanziger Jahren das Stadtbild von Neu-Isenburg. Das zu Anfang kurze Zeit von der Firma Jung, einem Hersteller der bekannten Frankfurter Würstchen, genutzte Gebäude mit seinen markanten Halbsäulen und dem zentralen Torbogen wurden bereits 1921, zeitgleich mit der Errichtung des Gleisanschlusses von der damaligen Reichsmonopolverwaltung für Branntwein übernommen. Als einer der ersten Kunden der Verbindungsbahn nach Neu-Isenburg Stadt war der Bundesbetrieb über viele Jahre ein bedeutender Arbeitgeber in der Stadt.

 

 

 

Die Hauptaufgaben der Verwertungsstelle, die für den kaufmännischen Teil des heute nur noch im Namen bestehenden Monopols zuständig ist, sind der Aufkauf von Rohalkohol, dessen Reinigung und der anschließenden Weiterverkauf. Zu den Abnehmern des produzierten Neutralalkohols zählen unter anderem Spirituosen- und Lebensmittelhersteller sowie die Kosmetik- und Arzneimittelindustrie. Nach der seit 1976 schrittweisen Aufhebung des Branntweinmonopols und der daraus resultierenden nicht mehr gegebenen Wirtschaftlichkeit ist die endgültige Schließung des Betriebs der Zweigstelle in Neu-Isenburg für 2013 vorgesehen. Eine Verarbeitung von Rohalkohol findet zwar bis dahin weiter statt, allerdings nur noch in einem geringen Umfang.

 

WERKBAHN

Im Gegensatz zu anderen Anliegern der Verbindungsbahn in Neu-Isenburg, deren Gleisanschlüsse von der Bundesbahn bedient wurden, verfügte die BfB Verwertungsstelle über eine eigene Werkbahn. Bis 2003 besteht diese aus der Übergabestelle im südlichen Güterbahnhofsgelände mit den beiden Zustell- und Abholgleisen sowie den beiden daran anschließenden Drehscheiben. Von diesen führen wiederum drei Gleise in das Werksgelände und queren dabei die Schleussnerstraße, außerdem gehen von der östlichen der beiden Scheiben noch zwei weitere kurze Stumpfgleise ab.

Gleisanschluss BfB Verwertungsstelle

 

Im Werkinneren werden alle Gleis im Südosten des Geländes an einer weiteren Drehscheibe zusammengeführt, außerdem befindet sich hier ein zusätzliches Stumpfgleis mit einer Kleinlokgarage und Tankstelle. Fünf Weichen und eine zweigleisige Abstellgruppe erlauben ein umfangreiches Rangieren der BfB-eigenen Kesselwagen, die so an die verschieden Abfüllstationen gebracht und anschließend zur Abholung bereit gestellt werden können. 

BfB WerkslokAlle Kesselwagen der Monopolverwaltung sind im Bahnhof Neu-Isenburg Stadt beheimatet, für das Rangieren verfügt die Verwertungsstelle über eine eigene Lok:

                   
Herrsteller O&K Nr. 26730
  Typ MB 170 N
  Bauart B-dh
  Baujahr 1972

Quelle: www.rangierdiesel.de

 

Anfang der 80er Jahre werden die beiden holzgedeckten Drehscheiben im Bahnhofsgelände erneuert und dabei deren ursprünglicher Durchmesser von 8 auf 10 bei der westlichen bzw. 12 Meter bei der östlichen Drehscheibe erweitert. Als Folge lassen sich nun auch Waggons mit einem größeren Radstand wenden. Da der Durchmesser aber nach wie vor zu klein ist um von Lok und Waggon gemeinsam befahren zu werden ist für das Umsetzten weiterhin ein komplexes Rangiermanöver notwendig. Die nachfolgende Beschreibung des Vorgangs ist dem Buch "Eisenbahnen im Rhein-Main-Gebiet", Freiburg 1983 von A. Christopher und G. Köhler entnommen:

"Soll ein Waggon aus dem Werk auf das Ausgangsgleis gebracht werden, zieht ihn die Werkslok - gesichert durch Rangierer mit roten Fahnen - bis auf die Straße vor der Drehscheibe, kuppelt ab und fährt selbst darauf. Nach dem Drehen der Scheibe wird an Lok und Wagen ein Stahlseil befestigt und um den Poller gelegt. Die Lok fährt ein kleines Stück auf eines der beiden Stumpfgleise und zieht dabei den Wagen auf die Drehscheibe, wo er mit Hilfe eines Hemmschuhs angehalten wird. Das alles dauert kaum eine Minute. Nach dem Drehen der Scheibe drückt die Lok schließlich den Wagen ins Gleis zu den anderen abgehenden Waggons, außer Kesselwagen angemietete gedeckte Schiebewandwagen."

Heutiger Zustand

Nach der Einstellung des Bahnbetriebs Ende 2003 wurde die nun nicht mehr benötigte Werkslok verkauft und mit einem Tiefladewaggon (Bauart Uais 200) abtransportiert. Die im Bereich des Güterbahnhofs gelegenen Gleise und Anlagen wurden im Zuge der Umwidmung des Areals zurückgebaut, die im Werksgelände liegende - nie modernisierte - Drehscheibe vom Frankfurter Feldbahnmuseum übernommen. Viele der im Werksgelände liegenden Hochtanks, die zwischenzeitlich eine Kapazität zur Aufnahme von 17 Mio. Liter besaßen, wurden ebenfalls abgebrochen, genauso wie der ehemals vorhandene Holzkühlturm.